Geschichte und Wissenswertes zur Kirche in Geisfeld
Wir würden uns sehr freuen, wenn der folgende Beitrag zur Geschichte und zu den Besonderheiten unserer Geisfelder Pfarrkirche Sie zu einem Besuch inspiriert, natürlich sehr gerne auch zu den Gottesdiensten, zum Gebet und zur Stille. Eine Kirche ist kein Museum, sondern lebt durch die Menschen, die diesen Ort besuchen. Sie „bereichern“ diese Kirche und erleben Bereicherung. Der gelebte Glaube macht den eigentlichen Wert einer Pfarrkirche aus.
Ein Faltblatt mit den wichtigsten Informationen zur Pfarrei Geisfeld und zum Kirchenbauwerk liegt für Interessierte am Eingang der Kirche aus, gerne auch zum Mitnehmen.
1. Baugeschichte
Die heutige Pfarrkirche St. Magdalena besitzt im Seelsorgebereich Geisberg-Regnitztal eine Sonderstellung. Ihre Architektur ist keineswegs einheitlich einer bestimmten Zeitströmung zuzurechnen, sondern geprägt von der Geschichte der Kirche durch mehr als fünf Jahrhunderte. Weithin sichtbar dominiert der vierstöckige Wehrturm, dessen Entstehung auf das 14. Jh. zurückgeführt wird, als steinerner Zeuge einer frühen Kirche. Das jetzige Obergeschoss mit seinem Sandstein-Quaderwerk und den gotischen Schallfenstern wurde zusammen mit dem Turmhelm und seinen vier Ecktürmchen erst 1592 aufgesetzt und hebt sich deutlich vom älteren dreistöckigen Wehrturm ab. Zweifelsohne war der Wehrturm mit der auch heute noch von außen sichtbaren "alten" Sakristei die erste Kirche bzw. Kapelle in Geisfeld, wenn man von Mutmaßungen um eine noch ältere Kapelle um 1200 absieht. So ausgestattet, entsprach die Geisfelder Kirche von 1464 dem charakteristischen Bild der ersten Dorfkirchen in Franken. (Foto: Pfarrkirche St. Magdalena)
1718/1719 folgten der Abriss der baufällig gewordenen Kirche von 1464 und der Bau einer neuen Kirche im Barockstil. Nachdem auch dieses Kirchenschiff aufgrund der gewachsenen Bevölkerung zu klein und zudem stark reparaturbedürftig geworden war, entschloss man sich 1967 erneut zu einem Neubau. Bereits am 2. August 1970 erfolgte die Grundsteinlegung.
Die dann am 27. August 1972 geweihte Pfarrkirche St. Magdalena vereint nun, auch von außen sichtbar, historische Substanz, nämlich Turm und alte Sakristei, mit einem, dem damaligen Zeitgeist entsprechenden und durch das neue liturgische Verständnis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil begründeten Neubau des Kirchenschiffes zu einem allgemein gültigen Bauwerk.
2. Die Kirchenpatronin St. Maria Magdalena
Maria Magdalena, in den Evangelien auch “Maria von Magdala“ genannt, war Jüdin im Palästina der Zeitenwende und wohl eine der wichtigsten Frauen im Leben Jesu. Die Evangelisten erwähnen sie als Zeugin der Kreuzigung und Auferstehung. Papst Franziskus beschrieb sie bei der Einführung eines eigenen Festes (am 22. Juli) für Maria Magdalena als „Beispiel und Modell für jede Frau in der Kirche“. Damit wird die „Apostelin der Apostel“, wie Thomas von Aquin sie nannte, liturgisch den Aposteln gleichgestellt.
„Die erste Zeugin der Auferstehung des Herrn und die erste Evangelistin, die heilige Maria Magdalena, wurde von der Kirche im Westen und im Osten immer mit höchster Ehrfurcht geachtet, wenn sie auch auf verschiedene Weise verehrt wurde“, so das Dekret vom 3. Juni 2016.
"Magdalena begegnet dem Auferstandenen", so lautet auch der Titel des an der östlichen Giebelseite der Pfarrkirche geschaffenen Freskos der Trabelsdorfer Künstlerin Erika Bauer (Jahrgang 1927), das den Besucher gleich beim Betreten des Kirchenvorplatzes auf die biblische Kernbotschaft hinweist.
3. Der Kircheninnenraum
Die nachkonziliare Raumordnung prägt den „neuen“ Kircheninnenraum: die Gemeinde versammelt sich zur gemeinsamen Eucharistiefeier von drei Seiten um den leicht angehobenen, für jeden gut einsehbaren, offenen Altarraum mit seinen einzelnen Handlungsorten. Über den Neubau der Kirche erhebt sich ein einfaches Satteldach, getragen von Holzleimbindern, das zugleich die Decke bildet. (Foto: Kircheninnenraum)
Ebenfalls aus einer Holzleimkonstruktion besteht die westliche Giebelwand, die mit ihrer Verglasung die Hauptlichtquelle des Kirchenraumes bildet. Wände, Altar, Ambo, Priestersitz und sich anschließende Sitzbänke für die Ministranten, Taufstein und Beichtstühle sind aus handgestrichenen Klinkern mit betont silbergrauen Fugen (Gaustadter Ziegelei) gefertigt.
Betritt der Besucher den hellen, nach oben strebenden Kirchenraum, so wird sein Blick zuerst auf das große Kreuz mit dem Corpus Jesu Christi aus der Barockzeit (1650) gelenkt, welches sich dominant von der hellen Giebelwand im Osten abhebt. Dem Kreuz zugeordnet sind auf sechs hölzernen Rokokoreliefs (1730-1780) die 12 Apostel mit ihren Attributen dargestellt. Der auch in Bamberg (Neue Residenz, Obere Pfarre) tätige Bildhauer und Kunsthandwerker Johann Sebastian Degler (1670-1730, „Weilheimer Schule“) hat diese Reliefs, ursprünglich für die Emporenbrüstung der Geisfelder Kirche von 1719, geschaffen.
Foto: Holzrelief aus der Rokokozeit mit Darstellung des Apostels Petrus (Attribut: Schlüssel) und Apostels Paulus (Attribut: Schwert)
Im charakteristischen Wehrturm befindet sich der barocke Hauptaltar der Geisfelder Kirche von 1719 mit den beiden Patronen des Erzbistums Bamberg, dem hl. Heinrich und der hl. Kunigunde, sowie dem hl. Urban und dem hl. Otto, Bischof von Bamberg (von 1102-1139). Die Kirchenpatronin Maria Magdalena ist auf dem Altarblatt zu sehen. (Foto: Barocker Hauptaltar)
Dominiert wird der Kircheninnenraum weiter durch die von der Orgelbauwerkstatt Eichfelder in Bamberg geschaffene und am 21.03.2004 vom damaligen Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick geweihte Pfeifenorgel. (Foto: Eichfelder Orgel)
Die Disposition der architektonisch an den modernen Kircheninnenraum angepasste Orgel verfügt über 22 Register, die auf zwei Manualen und einem Pedal gespielt werden. Von den insgesamt 1284 Pfeifen bestehen 1136 aus einer Zinn-Blei-Legierung und 148 Pfeifen aus Holz; im Prospekt sind 31 Pfeifen sichtbar. Die Prospektgestaltung stammt von dem Bischberger Architekten Thomas Schwerdtner. „Bei der Intonation orientierten wir uns am Barockideal, ohne aber die Literatur der Frühromantik auszuschließen“, erklärt Thomas Eichfelder die klangliche Gestaltung der Orgel.
Ihrem Auftrag „SOLI DEO GLORIA“ („Gott allein zur Ehre“) kommt die Geisfelder Orgel seither nicht nur in Gottesdiensten, sondern insbesondere dank Herrn Jakob Will, Organist und Vorsitzender des Vereins zur Pflege und Förderung der Kirchenmusik, im Rahmen zahlreicher kirchenmusikalischer Veranstaltungen mit renommierten Musikern nach.
4. Besondere Schätze
Die Kirche St. Magdalena in Geisfeld besitzt einen besonderen Schatz: eine spätgotische Madonna aus dem Jahre 1430.
Die Mutter Gottes mit dem Jesuskind auf dem Schoß zeigt die für diese Zeit charakteristischen Merkmale des „weichen“ Stils. So der reiche, in tiefen runden Mulden fließende Faltenwurf des Gewandes, die gelöste Haltung der Figuren und die Zartheit der Gesichter. Die Madonna berührt mit ihrer sanften Gestik und strahlt heitere Freundlichkeit und Güte aus. (Foto: Madonna um 1430)
Die Holzfigur besticht durch ihre neben verschiedenen Goldtönen dezent gehaltene Farbigkeit. Sie stammt noch von der Innenausstattung der ersten Geisfelder Kirche um 1464. In der späteren Kirche von 1719 wurde die Skulptur in einen barocken Marienaltar integriert, der sich rechts vor dem damaligen und heute noch existenten Turmpresbyterium befand. Im neuen, nachkonziliaren Kirchenraum von 1972 hat diese wertvolle Madonna wieder einen herausragenden Platz rechts vom Taufstein erhalten und bietet den Kirchenbesuchern Raum zu stiller Verehrung und Gebet.
Unserer Pfarrpatronin, der hl. Maria Magdalena, ist ebenfalls ein besonderer Platz im neuen Kirchenraum, an der Stirnseite zwischen Chorturm und Altarraum, gewidmet. (Fotos: Maria Magdalena und Foto: Steinrelief)
Die älteste Darstellung Maria Magdalenas in Gestalt eines Steinreliefs befindet sich an der zur Magdalenenstraße hin gelegenen Außenwand der ehemaligen Sakristei.
Aus der alten Kirche bzw. ihrer Vorgängerkapelle stammen die spätgotische Holzfigur Christi im Ölgarten am ehemaligen Eingang zur alten Sakristei, und die Figur des Hl. Sebastian, die heute an der linken Innenseite des Kirchenraumes zu sehen ist. Rechts daneben stehen die drei heiligen „Madla“: Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem zerbrochenen Rad, und Margareta mit dem Wurm. (Foto: Die drei heiligen „Madla“)
Einige weitere Figuren aus der barocken Vorgängerkirche haben nach ihrer sorgfältigen Restaurierung ebenfalls einen würdigen Platz im heutigen Kirchenraum erhalten. So begegnen uns auf der rechten Seite Johannes der Täufer mit Kreuzstab und Lamm; die hl. Anna, die Großmutter Jesu und Mutter Marias; und der hl. Wendelin. (Foto: Johannes der Täufer Foto: Hl. Anna Foto: Hl. Wendelin)
Die beiden Beichtstühle an der südlichen Giebelseite zieren barocke Holzfiguren der vier Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. (Foto: Evangelist Markus)
Die Pieta, die heute im Seiteneingang zur Kirche steht und hier zu Meditation und Gebet einlädt, war ehemals Hauptfigur des linken Seitenaltars der barocken Vorgängerkirche. (Foto: Pieta)
Quellen:
- Faltblatt - Katholische Pfarrkirche St. Magdalena Geisfeld. Katholische Kirchenstiftung St. Magdalena Geisfeld, 2023.
- 500 Jahre Pfarrei Geisfeld, 1484-1984. Gedenkschrift zum Jubiläumsjahr der Pfarrei. Benedict Press, Münsterschwarzach Abtei 1984
- www.st-magdalena-geisfeld.erzbistum-bamberg.de
Fotos: Dr. Bethold Schaubert, Daniel Lodes, Dieter Ruhl, Dr. Ulrich Schwantes
